Gesang der Maschinen

Rauminstallation für Lautsprecher, Beamer und den öffentlichen Raum

Die Oper Wuppertal wird auf links gedreht.
Aus Lautsprechern erklingt eine flächige, abstrakte Komposition aus vermeintlichem akustischem Abfall, die Architektin und Klangkünstlerin Nathalie Brum über Jahre hinter der Bühne des Opernhaus Wuppertal gesammelt hat: Klimaanlagen, Lüftungszentralen, Bühnenmaschinen, surrende Dimmerschränke, Serverräume und vieles mehr. Alles was im Publikumssaal nicht gehört werden darf. Alles was notwendig ist, um die Atmosphärenmaschine Opernhaus in Betrieb zu halten. Maschinen, die bisher im Hintergrund das Bühnenerlebnis einer Oper ermöglichten, erklingen hier als mehrkanalige Rauminstallation.
Parallel zum Sound verwandeln sich Kreise in Striche, Striche in Kreise. Rotationen, Verwandlungen, Verschiebungen. Die animierten Visuals in nüchterne s/w Optik von den Videokünstlern Sebastian Wulff und Raphael Zöschinger erscheinen auf Projektionsflächen der Gebäudefassade. Die Symbole, die sie als Inspiration genutzt haben, sind DIN-genormte Symbole, die Ingenieur:innen für die Planung von Lüftungs- und Klimaanlagen verwenden. Auf konkreten Videoaufnahmen sind Maschinen zu erkennen. Schläuche, Seile, Wartungswege. Die Videoaufnahmen von Alexander Borowski zeigen die Bühnenmaschinen der Oper Wuppertal wenige Wochen vor dem Hochwasser im Juli 2021 im damals noch intakten Zustand.
Opernhaus Wuppertal-Barmen, 28 - 29 August 2021 [UA, 2021]
Für die Erstaufführung wählte das Team um Nathalie Brum das Opernhaus Wuppertal als Ursprungsort der Tonaufnahmen. Für ein Wochenende durften Kleingruppen in einem einstündigen Soundwalk durch die Hinterbühnenbereiche der Oper gehen. Eingebettet in den maschinellen Kontext erklang die zehnkanalige Soundinstallation mit Videoprojektionen, die 24 Stunden auf kleinen und sehr großen Fassadenflächen zu sehen waren. Ein Signal an die Stadt: trotz Hochwasserschaden ist die Oper Wuppertal noch lebendig!

Die Konfrontation von Betriebsgeräuschen und -prozessen mit dem städtischen Alltag in der unmittelbaren Umgebung erzeugen eine neue Öffentlichkeit für die Institution Oper. Wer darf was hören? Wie öffentlich ist die Oper? Wo hört die Bühne auf und wo fängt der Alltag an? 
Das Projekt entstand im Rahmen des Masterstudiums Klang und Realität am Institut für Musik und Medien der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf.

Konzept, Komposition, Leitung: Nathalie Brum
Video: Alexander Borowski
Visuals: Sebastian Wulff, Raphael Zöschinger
Verwendete Technik: akkubetriebene Aktivlautsprecher, Beamer, Projektionsfolien, LED-Beleuchtung
Alle Fotografien von Philip Kistner
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